Erkner

Zur Erkneraner Geschichte finden Sie Informationen in den Erkneraner Heften.

Hefte 1 - 6
 
Touristeninformationen auf Englisch über die Stadt Erkner

Information for tourist region Erkner
Erkner liegt in idyllischer Lage im Berliner Urstromtal, am Rande einer eiszeitlichen Endmoränen-Formation. In einer wald- und gewässerreichen Landschaft zwischen Dämeritz- und Flakensee sowie Spree und Löcknitz, umgeben von Berliner und Brandenburger Forsten, bildet Erkner das Tor in die Erholungsgebiete südöstlich von Berlin.
Bahnhof Erkner Der Besucher erreicht die Stadt meist per Bahn bzw. Auto. Unmittelbar am Bahnhof befinden sich ein P+R- Parkplatz mit über 200 Stellflächen, ein Busbahnhof sowie die Stadthalle. Von hier gelangt man in wenigen Minuten in das Zentrum.
Den von der Autobahn kommenden Autoreisenden laden unmittelbar am Ortseingang zwei große Parkplätze zur Rast ein. Hier hat der Besucher den ersten Kontakt mit der wald- und seenreichen Landschaft. Wanderfreunden bietet sich hier ein idealer Startpunkt für ausgedehnte Wanderungen auf markierten Routen durch Wälder und Auen. Wem das Stadtgetümmel mehr zusagt, der kommt nach wenigen hundert Metern bis ins Stadtzentrum.
Die Friedrichstraße bildet die Magistrale der Stadt. Die auf geschichtsträchtigem Grund verlaufende Hauptverkehrsader gewann in den letzten Jahren durch Neubau und Sanierung zunehmend städtisches Flair. Ein Maulbeerbaum und eine preußische Postmeilensäule erinnern an vergangene Zeiten. Sehenswert ist auch die 1897 in Anwesenheit von Kaiserin Auguste Victoria eingeweihte neugotische Genezareth-Kirche. Viele kleine Läden und Gaststätten laden zu einem Bummel ein. Nur wenige Schritte abseits des belebten Verkehrsweges findet der gestresste Besucher ein geruhsames und schattiges Plätzchen im Rathauspark am Ufer des Dämeritzsees. Hier befinden sich eine Anlegestelle der Fahrgastschifffahrt, eine bewirtschaftete Badestelle sowie ein Stadion. Blick in die Friedrichstraße
Gerhart-Hauptmann-Museum Am Schnittpunkt Friedrichstraße/Gerhart-Hauptmann-Straße fällt dem Besucher die gelb leuchtende ehemalige Villa Lassen ins Auge. Hier hat das Gerhart-Hauptmann-Museum seinen Sitz. Es beherbergt eine ständige Ausstellung zum Leben, Werk und Wirken des Dichters sowie eine Forschungsbibliothek. Regelmäßige Veranstaltungen wie z.B. Konzerte, Autorenlesungen u.a. bieten dem Interessierten ein abwechslungsreiches Programm.

Foto: Dörte Mielke
Eine auffällige Silhouette bildet die abends beleuchtete Spitze des Wohnturmes des Bildungszentrums Erkner der Betrieblichen Krankenversicherung und der Rentenversicherung. Dieses Gebäudeensemble wurde Mitte der der 90er Jahre errichtet. Es steht auch anderen Verbänden, Unternehmen oder Institutionen offen und ist besonders für Seminare, Symposien, Workshops, Fachtagungen oder Kongresse geeignet. In einem Gebäude des ehemaligen Bakelitewerkes in der Flakenstraße hat das Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) seinen Sitz. Das Institut ist eine leistungsfähige und interdisziplinär arbeitende Forschungseinrichtung der Raumwissenschaften.
Dem heimatgeschichtlich Interessierten sei besonders das Heimatmuseum empfohlen. Das um 1760 errichtete, unter Denkmalschutz stehende Gebäude gehört zu den wenigen in der Mark Brandenburg noch erhaltenen ländlichen Fachwerkhäusern der friderizianischen Kolonisationszeit des 18. Jahrhunderts, die mit einem Reetdach eingedeckt sind. Es wurde in den 90er Jahren grundlegend saniert und beinhaltet eine heimatgeschichtliche Sammlung. Liebevoll durch den Heimatverein betreut, bietet es regelmäßige Veranstaltungen. Blick zum Heimatmuseum
die neue Feuer- und Rettungswache Dem Heimatmuseum gegenüber liegt das Gebäude der 1994 errichteten Feuer- und Rettungswache. Gut ausgebildete Frauen und Männer gewährleisten auf ehrenamtlicher Basis den Brandschutz in der Stadt. Der Rettungsdienst wird von der Johanniter-Unfall-Hilfe sichergestellt.
Unmittelbar hinter diesem Gebäude befindet sich in einem Auengebiet der Karutzsee. Ein idyllischer Fleck, der dem Naturfreund herrliche Anblicke bietet. Der Wanderer kann seine Schritte weiter in Richtung Karutzhöhe und Hohenbinde bis zur Spree lenken und findet dabei ausreichend Entspannung in der wald- und wasserreichen Gegend. Blick zum Karutzsee
http://www.erkner.de

Über die Stadt Erkner - Historischer Rückblick eines Ehrenbürgers

von Dr. Bernd Rühle Ehrenbürger von Erkner

Als die damalige Gemeinde Erkner aus dem Koma des 8. März 1944 (Bombenangriff) und des 21. April 1945 (Einmarsch der Roten Armee) erwachte, waren über 500 Menschen erschlagen, verbrannt, erstickt, ermordet, von 1333 Häusern 1007 total zerstört oder unbewohnbar, alle Brücken gesprengt, alle öffentlichen Einrichtungen wie Gemeindeamt, Bahnhof, Post, Sparkasse, Warmbad, Kirchen, fast alle Läden und Gaststätten, Arztpraxen und die Versorgungsnetze vernichtet oder schwer beschädigt, war fast nichts mehr so wie vorher. Vorher, das war vor diesem unseligen Krieg, hatte Erkner den Ruf eines begehrten Ausflugs- und Erholungsgebietes, trotz des Teerwerkes mit seinen häufig unliebsamen Ausdünstungen; ein Paradies für Wassersportler, Wanderer, Ausflügler aller Art, auf die ca. 30. Gaststätten warteten: Löcknitz-Idyll, Löcknitz-Terrassen, Schützenhaus, Märkischer Hof, Klosterhof u.a. Gerhart Hauptmann, neben vielen anderen, schwärmte später von seinen Erkner-Jahren:

?Unser Leben war schön, Natur und Boden wirkten fruchtbar belebend auf uns ... Die märkische Erde nahm uns an, der märkische Kiefernforst nahm uns auf..." Und immer noch - nach ihrer Erneuerung - erinnert eine Tafel am Beginn des Theodor-Fontane Weges am hohen Löcknitzufer an dieses Dichters Ratschlag, wie man sich diese typische märkische Landschaft zu eigen machen sollte:

?An einem Sommermorgen, da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen wie Nebel von dir ab"

Man könnte diese und ähnliche Schilderungen noch eine Weile fortsetzen. Und abgesehen von dieser Fontane-Weisheit: der Ort selber war in den Jahren seit 1900 erheblich gewachsen, versuchte sich zeitweise sogar als Kurort mit Kurarzt, Kurhaus und Kurpark. Die Einwohnerzahl war mittlerweile auf ca. 6000 gestiegen, die Straßen mit Namen versehen, verbreitert und befestigt, Gas, Wasser und Elektrizität und S-Bahn-Anschluss zu Selbstverständlich­keiten geworden.

Dieses alte Erkner war aber natürlich trotz allem kein märkisches Rothenburg geworden, denn immer mehr prägten die Industrien sein Gesicht und Image: Teerwerk, Bakelite und Kugellager samt Autobahn-Anschluss. Die Bewohner orientierten sich auf die angrenzende Hauptstadt Berlin; Versuche, dazuzugehören, eingemeindet zu werden, gab es immer wieder einmal bis in die jüngere Vergangenheit. Aber es wurde nie etwas daraus. Man wohnte eben in Erkner und arbeitete in Berlin - und umgekehrt. Auch Versuche, das Gemeindegebiet städtebaulich auszuweiten, blieben Wunschvorstellungen. Man wohnt eben - nach wie vor - in Karutzhöhe und geht einkaufen nach Erkner, wobei einige Wohngebiete wie ?Neuseeland" oder ?Afrika" eine Entfernung von Tausenden von Kilometern suggerieren, aber in Wirklichkeit nur einen Abendspaziergang voneinander entfernt sind.

Nach dem II. Weltkrieg schleppte Erkner jahrzehntelang das graue, trostlose Markenzeichen ?Barackenstadt" mit sich herum, obwohl es ja noch nicht ?Stadt" war und neben vielen Baracken und notdürftig ausgebauten Ruinen auch ein paar neue Bauten entstanden waren. Erst in der 70er Jahren, begleitend um die 400-Jahrfeier herum, bewegte sich Grundsätzliches: an der Hauptstraße/Karl-Marx-Straße wurden Plattenbauten hochgezogen, man ging - immerhin - nicht mehr in eine triste Holzbaracke, sondern in eine Kaufhalle einkaufen. Das uniforme Wort von den Neubauvierteln entstand und prägte den dafür seines Baumbestandes weitgehend beraubten Kurpark.

Und nun begann sich auch in diesen Jahren das Wissen und Bewusstsein für diejenigen Persönlichkeiten herauszubilden, die einem Ort zur Zierde gereichen: hier waren es Gerhart Hauptmann, Carl Bechstein, Albert Kiekebusch, Julius Rütgers und L. H. Baekeland. Museen, Gedenktafeln, Straßennamen und Wanderwege erinnern heute an sie. Ihnen verdankt unsere Heimatstadt wesentlich ihr heutiges kulturelles Profil, wobei natürlich das vor allem nach der Wende äußerst vielfältige kulturelle und gesellschaftliche Leben einbezogen werden muss: Museen, Vereine, Schulen ? seit 1994 auch ein Gymnasium: Das Carl-Bechstein-Gymnasium Erkner für Schülerinnen und Schüler aus Erkner, den umliegenden Gemeinden und Berlin Rahnsdorf - , Kinder- und Jugendeinrichtungen, Chöre, Kirchen und andere religiöse Gemeinschaften. Man kann die Angebote und Möglichkeiten kaum noch überblicken, es sei denn, man nimmt die ?MOZ" oder ?Kümmels Anzeiger" oder den ?Erkneraner" oder die ?Jahreschroniken" oder ?425-Kulturkalender Erkner" oder - oder - oder zu Hilfe. Heimatfest, Kolonistenfest, Lesungen, Führungen, Konzerte, Ausstellungen. Für eine kleine Stadt mit ca. 12.000 Einwohnern eine überzeugend breite Auswahl für fast jedermann, von Handwerk, Gewerbe, Dienstleistungen, Gastronomie, Sport, Verkehr usw. ganz zu schweigen. Die Frage nach der Lebensqualität, ob es sich lohnt, in Erkner zu leben, dürfte demnach eigentlich nur mit einem eindeutigen ?JA" zu beantworten sein, zumal rund um die Stadt mit all ihren Einrichtungen, Ansichten, Aussichten, Vorteilen - und freilich auch einigen Nachteilen - noch genügend des Schönen, Anziehenden, Schwärmerischen und Romantischen zu finden ist: der Fontane-Weg zwischen Wald und See nach Woltersdorf, der Leistikow-Weg an Löcknitz und Wupatz-See zur stillen Liebesinsel, oder der Kiekebusch-Weg am Waldrand ins einsame Hohenbinde, wie auch der Wanderweg am Bretterschen Graben quer durch die sonnige, beruhigende Einsamkeit der Spreewiesen - und die stillen, in dem Wald- und Wiesengrün nahezu versteckten, aber doch leicht erreichbaren z.T. jahrhundertealten Wohnplätze mit den seit alters viel versprechenden Namen: Hohenbinde, Jägerbude, Schönschornstein und Alte Hausstelle mit der Bodelschwingh-Gründung Heim Gottesschutz.

Wen könnte diese Fülle einsamer Schönheiten rund um die betriebsame, freundliche kleine ?Stadt zwischen Wäldern und Seen" nicht locken und begeistern!?

Aber eben deshalb noch einmal der alte Fontane: ?Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben."

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