Carl Bechstein - Sein Leben

Der Namenspatron des Erkneraner Gymnasiums, Carl Friedrich Wilhelm Bechstein, erblickte am 1. Juni des Jahres 1826 im thüringischen Gotha das Licht der Welt. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, verlor im Alter von fünf Jahren seinen Vater, genoss aber eine gute musikalische Grundausbildung und verfügte bald über solide Fähigkeiten auf dem instrumentalen Gebiet. Er erlernte das Klavierspielen und beherrschte später sowohl Violine als auch Violincello. Sicher wäre aus ihm ein guter Musiker geworden, doch bestimmte sein Stiefvater ihn zum Klavierbauer.

Nach dem Ende seiner Klavierbauerlehre in Erfurt 1844 folgten Wanderjahre, die ihn zwischen 1844 und 1848 nach Dresden führten. Dort, wo es damals eine Vielzahl Klavierbauwerkstätten gab, erlernte er Feinheiten seines Handwerks. Nach der Übersiedlung nach Berlin 1848, reiste er nach Paris, wo er sich in den folgenden Jahren in der führenden Klavierfabrik zum Werksleiter hocharbeitete.
der Meister persönlich
Wieder in Berlin, wurde am 1. Oktober 1853 der Grundstein für die "Pianofortefabrik", seiner Firma, gelegt. Binnen eines dreiviertel Jahres entstanden die ersten beiden Instrumente, die er aus finanziellen Gründen noch nahezu selbst baute, da ihm anfänglich das Geld fehlte, um Arbeiter zu beschäftigen.

Bald wurde man auf die Bechstein'schen Klaviere aufmerksam, so dass bedeutendste Komponisten und Pianisten alsbald seine Flügel bevorzugten. Dazu zählten u. a. Franz Liszt, Richard Wagner, Richard Strauß, Ferruccio Busoni, Eugen d'Albert, Bela Bartok sowie Wilhelm Furthwängler, Claude Debussy, Leonard Bernstein u. a.


Schon 1862 wurde Carl Bechstein auf der Londoner Industrieausstellung mit der Silbermedaille geehrt. In den folgenden Jahrzehnten erhöhte sich die Produktion der Klavierfabrik auf ca. 5000 Stück pro Jahr. Den Höhepunkt seines Lebenswerkes erreicht, erhielt Carl Bechstein 1896 die Goldmedaille der Großen Berliner Gewerbeausstellung; der Bechsteinflügel avancierte zu einem musikalischen Statussymbol - nahezu die ganze Welt wurde mit Bechsteinflügeln beliefert. Bechstein führte seine kleine Klavierfabrik zu einem Imperium. Doch worin lag das Geheimnis seines Erfolges?

Die Antwort hierfür liegt auf der Hand: Bechsteinflügel erfüllten alle an sie gestellten Anforderungen. Sie waren sehr robust und hielten allem stand. Hinzu kam der Einsatz damals modernster Klaviertechnik seiner Zeit, so dass seine Flügel und Klaviere dem damals zeitgenössischen Klang-ideal entsprachen.

Die Karriere Carl Friedrich Wilhelm Bechsteins kann in seiner Zeit als beispielhaft angesehen werden. Eine gute Aus- und Weiterbildung, ein langer Reifeprozess als Praktiker, Zielsicherheit und Anpassungsfähigkeit lassen den Menschen Carl Bechstein, der stehts Neuem gegenüber aufgeschlossen war und global dachte, einen guten Namensgeber des Erkneraner Gymnasiums werden. Er starb im Alter von 74 Jahren am 6. März 1900 in Berlin.

Bechsteins Spuren in Erkner

Mit Erkner verbanden Bechstein besonders enge Beziehungen. Bereits 1874 soll er hier ein Grundstück besessen, und sich als Sommergast etabliert haben. Zunächst bewohnte er ein kleines bescheidenes Fachwerkhaus, ließ aber 1889 die Villa Bechstein, das heutige Rathaus, errichten. In Kombination mit dem dazugehörigen Park und den Wirtschaftsgebäuden wirkte die Sommervilla ähnlich einem kleinen Schloss.

Will man über das Leben der Bechsteins in ihrem Haus in Erkner berichten, so ist man leider nur auf sehr dürftige Hinweise angewiesen. Zunächst steht fest, dass die Familie Bechstein die Sommermonate, dabei wohl vor allem die Wochenenden, in Erkner verbrachte. Außerdem darf im Erkneraner Hause Bechstein seinerzeit ein reges Gesellschaftsleben vermutet werden. Bei Bechsteins unzähligen Privat- und Geschäftsbeziehungen ist anzunehmen, dass sein Haus von Persönlichkeiten des nationalen und internationalen Musiklebens besucht wurde - längere Aufenthalte von Eugen d'Albert und Hans von Bülow sind nachweisbar.

1893 schenkte Bechstein der Gemeinde Erkner das Baugelände für die Genezareth-Kirche, zu deren Innenausstattung die Familie Bechstein ebenfalls kräftig beitrug. So wurden beispielsweise Kirchenfenster, Orgel, und Glocken gestiftet. Die drei Glocken, die nach Bechsteins Söhnen Karl, Edwin und Johannes benannt sind, klingen noch heute über den Ort hin. Für die großzügige Unterstützung des Kirchenbaus verlieh die Gemeinde Carl Bechstein 1897 anlässlich seines 70. Geburtstags die Ehrenbürgerwürde.

In den Jahren 1936/37 war die Familie Bechstein gezwungen das Anwesen aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten und zunehmender Steuerschulden an die Gemeinde Erkner zu verkaufen, welche die Bechstein'sche Villa bald zum Rathaus ernannte. Seit 1992 trägt eine kleine Gasse neben dem Rathauspark den Namen "Carl-Bechstein-Weg."

180. Geburtstag des Erbauers unseres Rathauses

Unser Rathaus war einmal eine Villa und gehörte einst dem weltbekannten Klavierproduzenten Carl Bechstein. Heute wissen wir nicht mal, wer der Architekt war, der das um 1889 gebaute Domizil in der Friedrichstraße schuf. Aber Carl Bechstein kennen wir noch heute. Die von ihm gegründete Firma gehört zu den renommiertesten Klavierbauunternehmen der Welt.

Am 1.Juni 2006 jährt sich zum 180. Mal der Geburtstag des Firmengründers. Carl wurde als 14-Jähriger 1840 zu dem Klavierbauer Johann Gleitz in Erfurt in die Lehre geschickt. Nach der Ausbildung arbeitete er bei verschiedenen Klavierbauern. 1846 oder 1848 (die Jahreszahl steht nicht genau fest) verschlug es ihn nach Berlin-Kreuzberg. Die Pianoforte-Fabrik gründete Carl Bechstein am 1. Oktober 1853 als Einmann-Betrieb. Innerhalb eines Dreivierteljahres entstanden die ersten beiden Instrumente.

1856 heiratete Bechstein Louise Döring aus Strausberg, mit der er unsere Umgebung erkundete. Zu dieser Zeit hatte er bereits einen seiner wichtigsten Kunden kennen gelernt: den Pianisten und ersten Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker, Hans von Bülow. Er hatte sich immer wieder - auch gegenüber seinem ehemaligen Lehrer Franz Liszt - über die Qualität der damals gebauten Flügel beschwert. Nicht selten kam es vor, dass die herkömmlichen Instrumente den Anforderungen der romantischen Klaviermusik und der damit einhergehenden Anschlagskultur von Pianisten wie Bülow oder Liszt nicht gewachsen waren. Das Material ermüdete zu schnell oder ging im Wortsinn in die Brüche. Bechstein baute einen Konzertflügel, der vom Pianisten Bülow am 22. Januar 1857 mit der Klaviersonate in h-Moll von Franz Liszt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Auftritt war eine Sensation und schnell war das Instrument verkauft.

Für Franz Liszt wurde der Bechstein zum Instrument auf Lebenszeit. Franz Liszt nannte Carl Bechstein seinen Freund, dem er über 200 heute noch erhaltene Briefe schrieb. Immerhin, sagten die Klavierbauer aus Kreuzberg, haben wir den ersten Flügel gebaut, den Franz Liszt nicht kaputtgekriegt hat. Von Claude Debussy ist das Wort überliefert: ?Man sollte Klaviermusik nur für den Bechstein schreiben."

Bis Ende 1860 hatte Bechstein 300 Flügel gebaut. Ab 1861 expandierte das Unternehmen. Und der Export der Instrumente unter anderem nach England und nach Russland begann. Es war genügend Geld vorhanden, um sich in Erkner eine stattliche Sommerresidenz mit einen etwa 1 Hektar großen Garten am Dämeritzsee bauen zu lassen. Das Gebäude mit dem mächtigen Hauptturm an der Nordseite und der schönen Neorenaissance-Backsteinfassade war das ansehnlichte Haus im Ortszentrum und prägte das Ortsbild. Bechstein verbrachte Zeiten der Ruhe und Entspannung in seiner Villa, empfing viele nationale und internationale Musikgäste und handelte als Wohltäter unserer kleinen Gemeinde.

Er schenkte der Gemeinde das Land für den Kirchenbau und stiftete die Orgel, seine Söhne gaben später für das Geläut, Glockenstuhl und für je ein Fenster insgesamt 9200 Mark aus. 1893 gab es im Gemeindeparlament eine Sitzung, auf der über die Ehrenbürgerschaft des Gönners debattiert wurde. Ob es schließlich wirklich zur Verleihung kam, ist nirgends dokumentiert.

Am 6. März 1900 starb Carl Bechstein knapp drei Monate nach dem Tod seiner Frau und wurde auf dem II. Sophien-Friedhof in Berlin-Mitte bestattet.

In einem Artikel zum 100. Geburtstag Carl Bechsteins schreibt der ?Allgemeine Anzeiger": ?Die Söhne Carl Bechsteins betreuten mit ererbter Tatkraft und Könnerschaft das Erbe des Vaters. Ein Pionier von Weltgeltung und deutschem Fleiß ist Bechstein gewesen, persönlich ein frei denkender, bescheidener, allem Äußerlichen abholder Mann, dessen Herz für die Arbeit und die Arbeiter schlug."

1936 erwarb die Gemeinde Haus und Park und nutzte die Villa als Rathaus. Im Mai 1937 berichtet ebenfalls der ?Allgemeine Anzeiger", dass die Umbauarbeiten voran gehen und eine Eröffnung des Parks zu Pfingsten stattfinden solle.

Seit zwei Jahren erstrahlt das 1944 fast völlig zerstörte Rathaus wieder in neuem Glanz. Besonders stolz sind die Erkneraner, dass im Bürgersaal ein echter Bechsteinflügel aus dem Jahr 1909 steht, der mit Spenden wieder in Stand gesetzt wurde.



Carl Bechstein - Eine lebende Legende (Bildband)

Willkommen in der Welt von c. Bechstein











































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